1. Juli 2021

Katharina meint zur neuen/alten postpandemischen Realität

„losgedacht“ ist eine Notizen-Rubrik aus unserem monatlichen Newsletter! Hier kommen Einzelne aus den Mitgliedsverbänden, aus den Vorständen, aus den Geschäftsstellen usw. zu Wort und teilen ihre Sicht der Dinge mit. Im Zentrum steht ein selbst gewähltes Thema – egal ob aktuelles Ereignis, Projekt oder (politische) Entwicklung – hier wird einfach mal losgedacht und eine persönliche Meinung sichtbar gemacht. Katharina arbeitet seit Februar 2020 im Bremer Jugendring und ist hier für das Projekt „Spot on Democracy“ zuständig. Für „losgedacht“ hat sie sich Gedanken zur neuen/alten postpandemischen Realität gemacht. 


Back to normal?

Die Bundesnotbremse läuft aus, damit entfällt dann auch die Homeoffice-Pflicht. Ständig lese ich Artikel darüber, wie schön es ist, endlich wieder in die Normalität zurückkehren zu können. Ich freue mich auch sehr, meine Kolleg_Innen nicht mehr nur durch den Videochat zu sehen, sondern auch endlich wieder live, in Farbe und bei der gemeinsamen Mittagspause. Aber war vorher wirklich alles besser? Oder müssen wir nicht vielmehr die Realität unserer Arbeitswelt neu denken? Was macht es für einen Unterschied, ob ich den Projektantrag von 9 bis 5 Uhr im Büro oder von 11 bis 7 Uhr zuhause schreibe, solange er zur Deadline fertig ist? Müssen zu internationalen Konferenzen wirklich alle Teilnehmenden anreisen oder reicht eine Video-Zuschaltung? Die letzten anderthalb Jahre haben uns gezeigt, wie flexibel wir arbeiten können, wenn wir müssen. Was, wenn wir auch gerne so flexibel bleiben wollen? Oder uns zumindest die Möglichkeit, auch mal einen Tag im Home Office zu bleiben und an der Konferenz in München vielleicht nicht live teilzunehmen, offen halten wollen? Was da an Fahrtgeldern gespart wird … Und gut für die Umwelt ist es auch. Außerdem muss ich mir dann nicht mehr einen halben Tag frei nehmen, wenn der Schornstein gefegt wird und die Angaben zum Zeitpunkt eher vage sind. A whole new world!

Aber ich möchte das Ganze auch wirklich ernsthaft verstanden wissen: Gerade die Möglichkeit, sich im vergangenen Jahr immer und überall auch per Video zuschalten zu können, von zuhause aus, bringt noch einmal ganz neue Chancen für mehr Inklusion mit sich! Für viele Menschen ist es eben nicht so leicht, „mal eben“ irgendwo hinzufahren oder einen Raum voller Leute ohne dieses leichte Gefühl der Panik in der Brust zu betreten. Oder beides.

Trotzdem kann ich die Euphorie um mich herum verstehen, oft auch nachvollziehen. Gerade die soziale Interaktion im Büro hat auch mir sehr gefehlt. Aber war früher wirklich alles besser? Ich glaube, diese Floskel war schon immer eher flach.


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